Verena Pausder Apps for Kids

Ab welchem Alter sollte man Kinder an Apps und digitale Devices heranführen? (Verena Pausder)

Wann zeige ich meinem Kind Apps und wie erziehe ich ein Kind digital? Verena Pausder (Fox & Sheep) hat ihre Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren mit Tablet und den ersten Apps vertraut gemacht. Weiterhin verrät sie im #ada18-Interview, was sie meint, wenn sie sagt: „Googlen ist kompliziert und unnötig.“

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Verena Pausder im #ada18-Interview

Verena, Du entwickelst bei Fox & Sheep Apps für die Kleinsten. Ab welchem Alter hast Du Deine drei Kinder mit digitalen Medien vertraut gemacht?

Verena Pausder: Meine Kinder habe ich im Alter von zwei bis drei Jahren mit Tablet und den ersten Apps vertraut gemacht. Das Digitale ist in diesem Alter ohnehin bereits allgegenwärtig für sie. Oder andersherum: Eine nicht digitale Welt und Eltern ohne Smartphone in der Hand kennen die meisten Kinder gar nicht. Gemeinsam kleine Apps auszuprobieren und zum Beispiel spielerisch Formen und Farben zuzuordnen, ermöglicht ein behutsames Entdecken dieses digitalen Wunderlands.

Was entgegnest Du Eltern, die sagen „Apps sind nichts für Kinder“ und Sorge vor Internetsucht haben?

Verena Pausder: Unsere Kinder sind in eine Welt mit Tablets, Apps und Internet geboren, so wie wir damals in eine Welt mit Fernsehern geboren wurden. Wird heute über die negativen Auswirkungen von Medien auf Kinder gesprochen, werfen viele Fernseher und Tablets, Apps und Games in einen Topf. Studienergebnisse zum Thema TV werden ganz unwissenschaftlich, dafür umso emotionaler, allem Digitalen übergestülpt. Die Annahme ist dann: Medienkonsum ist per se schlecht und irgendwie gefährlich. Dabei sind sich viele Experten inzwischen einig darüber, dass nicht das „Ob“, sondern das „Wie“ entscheidet und Tablets und Co nicht schädlich sein müssen. Für mich als Mutter bedeutet das konkret: Wir sollten unseren Kindern klare Grenzen setzen, wenn es ums Daddeln und Zocken, also um das Konsumieren, geht. Gleichzeitig müssen wir ihnen alternative Möglichkeiten der digitalen Nutzung anbieten: einen Roboter bauen, selbst ein Spiel programmieren oder einen Animationsfilm drehen. Denn erst wenn sich Kinder nicht nur als Konsumenten erleben, sondern als Macher und Gestalter, können sie sich bewusst für diese Rolle entscheiden.

Mit Deiner Aussage „Googlen ist kompliziert und unnötig“ bist Du bestimmt schon mal auf Unverständnis gestoßen. Was meinst Du damit?

Verena Pausder: Das ist die Perspektive meiner Kinder, die Perspektive der nächsten Generation also. Sie fragen direkt Siri oder Alexa, wenn sie etwas wissen möchten. Ein Gerät in die Hand zu nehmen, Fragen oder Suchbegriffe einzutippen, die Ergebnisse anzuklicken und dann auch noch durchzulesen, erscheint ihnen sehr umständlich. Es gibt den schnellen, unmittelbaren und intuitiven Weg der Sprachsteuerung, also wählen sie diesen. Das ist nachvollziehbar. Denken wir an unsere Eltern oder Großeltern, die zum Bücherregal gehen, den Brockhaus rausziehen und das Gesuchte nachschlagen, erscheint uns das auch unnötig kompliziert. Google war und ist die Brockhaus-Alternative unserer Generation, Sprachsteuerung die Alternative unserer Kinder.

Deine Vision ist, dass alle Kinder chancengleich Zugang zu digitaler Bildung erhalten sollen. Wie sieht der Status Quo aus? Und wie unterstützt du diese Vision?

Verena Pausder: Im Vergleich zu progressiven Technikländern wie Estland, Großbritannien und Skandinavien, die Programmieren bereits ab der ersten Klasse als Schulfach etablieren, fasst Deutschland in Sachen EdTech nur langsam Fuß. Das liegt zum einen daran, dass das deutsche Bildungssystem ein föderaler Flickenteppich ist, aber auch an der insgesamt eher negativ gefärbten Debatte über Digitalisierung hierzulande. Der Status Quo sieht deshalb so aus: die meisten Schulen sind mehr schlecht als recht ausgestattet, viele Lehrer nicht entsprechend ausgebildet. In der HABA Digitalwerkstatt arbeiten wir deshalb sowohl mit privaten als auch öffentlichen Schulen zusammen, engagieren uns in der Lehrerausbildung und bieten Kurse und Workshops für sozial benachteiligte Kinder auch kostenfrei oder mit 75 Prozent Ermäßigung für Besitzer eines Städtepasses (z.B. berlinpass, München-Pass, Hamburger Bildungspaket) an. Diese Angebote werden von unserem gemeinnützigen Verein „Digitale Bildung für alle e.V.“ finanziert. So möchten wir Sorge dafür tragen, dass alle Kinder unabhängig von Elternhaus oder Bildungshintergrund das notwendige Handwerkszeug für ein selbstbestimmtes Leben in der digitalen Welt mitbekommen.

Wir freuen uns, dass Du bei #ada18 bist. Worauf freust Du Dich?

Verena Pausder:  Ich freue mich auf viele kluge und tolle Frauen, die für IT und Tech ganz genauso brennen wie ich.