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Eine Karriere im Tech – die Zukunft ist weiblich

Müssen Frauen eine Karriere (im Tech-Bereich) anders angehen als Männer? Jörn Hendrik Ast, Gründer von Superheldentraining,  gibt uns in diesem Interview mehrere gute Gründe, warum seine Zukunft für eine Tech-Karriere laute: die Zukunft ist weiblich!

Jörn Hendrik, wenn ich mir Eure Typologie der SuperheldInnen so anschaue, finde ich mich in vielen Feldern wieder. Mal bin ich der Maker, kann ein engagierter Auftragskämpfer sein, manchmal reicht es nur zum Helferkollegen und oft hab ich derbe Bock auf den Aussteiger. Und jetzt?

Jörn Hendrik: Absolut. Um es in mit Worten des amerikanischen Dichters Walt Whitman zu sagen: “Widerspreche ich mir? Nun denn so sei es, dann widerspreche ich mir; Ich bin groß – in mir existieren Heerscharen.” Das kann natürlich auch eine schwierige Entdeckung sein, aber ich finde es wirklich beruhigend zu wissen, dass es normal zu sein scheint, dass wir uns selbst widersprechen und es kompliziert ist unseren nächsten Karriereschritt zu wählen. Die Frage ist, wie können wir uns unseren inneren Dialogen nähern und unsere Talente nutzen, um etwas zu erreichen und um unsere Selbstwirksamkeit zu stärken? Das ist genau das, was ich als Superheldentrainer mache.

Was ist eine fluide Karriere?

Jörn Hendrik: Karriere als einen fluiden Prozess zu verstehen, wie wir es in dem von mir gegründeten Karriereorientierungsprogramm Superheldentraining tun, ist äußerst nützlich und zugleich zukunftstauglich. Denn die Arbeitswelt in der wir leben, ist ja selbst agil, komplex und fluide. Es wäre töricht zu denken, dass so etwas wie eine lineare Karriere heutzutage überhaupt noch möglich ist. Ok, es gibt Menschen, die eine stabilere Karriere als andere haben, zum Beispiel als Entwickler in Großkonzernen auf der einen Seite und als Freelance-Entwickler, die von Projekt zu Projekt gehen auf der anderen Seite. Aber auch die stabileren Jobbeschreibungen ändern sich schneller als man denkt. In dem Beispiel des Entwicklers, der in einem großen Unternehmen arbeitet, lasst mich einfach die Worte „Implementierung von Agile“ sagen und wir sehen schnell, wie fluide die Dinge werden können. Während des Schreibens für unser erstes eBook „Die fluide Karriere“ führten wir eine Studie durch und einer der Ergebnisse war, dass die meisten der 506 Teilnehmer eher in Teilzeit oder in freiberuflichen Positionen arbeiten wollen. Heutzutage ist es ganz normal, dass wir alle zwei Jahre die Positionen wechseln, ein Sabbatical machen oder auf Teilzeit reduzieren.

Eure fluide Karriere stellt althergebrachte Rollenbilder infrage. Sind die Führungsetagen Deutschlands für fluide Superhelden bereit?

Jörn Hendrik: Das ist die Kernfrage für unser Programm und als Trainer für Teams und Führungskräften von Start-ups bis Konzernen ist meine Antwort Ja und Nein. Auf der einen Seite ist es ein Ja, denn ich sehe viele Veränderungen in Richtung fluider Arbeitsformen. Es gibt viel Bewegung in Corporate Accelerator-Programmen, Innovationslabors und Corporate Coworking Räumen. Das ist erstmal eine großartige Entwicklung und bedeutet, dass es Konzepte wie New Work und fluide Superhelden wirklich auf die Agenda der Führungsetage geschafft haben. Aber auf der anderen Seite sage ich auch Nein, denn es ist noch ein ganzes Stück Arbeit hin zu nachhaltigem Wandel. Die angesprochenen Änderungen sind nur so wirksam, wie sich auch die Unternehmenskultur verändert und das ist ein sehr steiniger Weg. Es ist einfach nicht genug, einen ausgefallenen Coworking-Space mit Tischtennisplatte und großen Metaplanwänden zu bauen, wenn Manager ihre Mitarbeiter dann immer noch fragen: „Was machst du nur an diesem neuen Ort? Arbeitest du eigentlich? “ Es geht um einen ständigen Veränderungsprozess und die grundsätzliche Akzeptanz zu der Frage wie wir wirklich arbeiten (lassen) wollen. Und ich glaube nicht, dass das nur für Führungskräfte wichtig ist, viele unserer Workshop-Teilnehmer sind Berufsstarter und einige von ihnen haben auch eine eher konservative Meinungen zu Corporate Coworking Spaces. Und was leider für Jede und Jeden gilt: Die einzige Person die uns am Ende nicht erlaubt, das berufliche Leben zu leben was wir wirklich leben wollen, sind wir selbst. Deshalb reden wir auch über Karriere-Superhelden. Wir wollen die Teilnehmer unserer Programme motivieren, größer zu denken und mutiger zu handeln.

Du sprichst auch von falschen Karrierehelden. An welchem Punkt unserer Karriere tauchen diese Bösewichter denn auf?

Jörn Hendrik: Oh ja, es gibt gewisse Hindernisse auf dem Weg zum Karriere-Superheld. Dabei geht nicht so sehr darum, dass uns ein Bösewicht wirklich angreifen könnte, es sind vielmehr unsere inneren Dialoge und Kämpfe, die wir in uns selbst austragen, die uns aufhalten. Aber ich glaube auch, dass es bestimmte äußere Einflüsse gibt, so genannte falsche Karrierehelden, die nicht gesund sind für uns. Zum Beispiel können uns exzessive Überstunden zu Workaholics machen und uns in den Burnout führen. Es ist nichts Schlimmes an einem leidenschaftlichen Projektsprint, der sogar am Wochenende zu Arbeit führt, aber nicht an jedem Wochenende. Workaholics haben eine gesunde Sicht auf die Dinge verloren, sie glauben, dass übermäßiger Fleiß notwendig ist. Karrieristen gehören ebenfalls zu einer gefährlichen Gruppe falscher Karrierehelden. Denn Karrieristen beurteilen andere ausschließlich danach, ob sie ihnen helfen beruflich weiterzukommen. Das perfekte Beispiel dazu, ist das Verhalten von Karrieristen auf Konferenzen: Es ist nicht immer das Wichtigste, sich nur mit den CEO’s auf einer Konferenz zu unterhalten und ihre Assistenten komplett zu ignorieren. Es geht um Verbindungen von Mensch zu Mensch. Ein Netzwerk mit einem solchen Mindset aufzubauen ist am Ende viel gesünder und nachhaltiger. Aber letztlich ist es unser inneres Kryptonit und unsere inneren Dialoge die viel gefährlicher sind. Im Superheldentraining bringen wir unseren Teilnehmern verschiedene Werkzeuge bei, um die Kontrolle über das Chaos in uns zu gewinnen. Die Superheld-Typologie ist zum Beispiel ein sehr nützlicher Kompass, der eine klare Richtung gibt und jedem Teilnehmer hilft, kraftvolle Ziele für das Erreichen der nächsten Karrierestufe zu formulieren.

Gibt es einen Unterschied beim Werdegang der Karriere zwischen Mann und Frau? Obwohl jeder über Vielfalt spricht, ist die geschlechtsspezifische Lücke (vor allem im Bereich Tech) traditionell enorm und hat sich in den letzten Jahren nicht wirklich verbessert.

Jörn Hendrik: Das ist eine sehr wichtige Frage und ich freue mich, Einsichten aus unserer Studie zu geben, die eine klare Sprache sprechen: Ja, Frauen haben einen anderen Ansatz für ihre Karriere und deshalb sollten sie Frauen in der Männerdomäne Technologie auch anders nähern als Männer. Unsere Untersuchung zeigt, dass Frauen im Durchschnitt kreativer und komplexer in ihren Karriereentscheidungen sind als Männer. Wo im Durchschnitt unsere männlichen Teilnehmer ein klareres Verständnis haben, wohin sie sich beruflich orientieren wollen, haben unsere weiblichen Teilnehmer es schwerer mit einer klaren Entscheidung. Dies zeigt auch die Korrelation zwischen den Ergebnissen unserer Superheldentypologie auf der abgebildeten Grafik. Aber das ist nur ein Problem auf den ersten Blick: Denn in einem zunehmend fluiden und agilen Arbeitsumfeld ist die Bereitschaft und Flexibilität dazu, Jobprofile und Verantwortlichkeiten zu wechseln, eine sehr wichtige Superkraft. Deshalb verkünde ich mit stolz: Die Zukunft der Arbeit ist weiblich.

Über Jörn Hendrik Ast

Als Gründer und Autor engagiert sich Jörn Hendrik für die Themen New Work und Social Recruiting. Ende 2013 gründete er das Superheldentraining, das sich als Institut für den Arbeitsplatz der Zukunft versteht und Menschen unterstützt das zu finden was sie wirklich tun wollen. Superkräfte: kraftvolle Stimme, nie versiegender Ideenvulkan, unaufhaltbare Vorwärtsenergie.