How Tech is changing the way we work MHP Porsche

Distributed Work — wie Tech unsere Arbeit verändern wird

Follow-the-sun ist kein Rat für Reisende sondern ein Beispiel aus dem Feld der Distributed Work, das zeigt, wie Tech unsere Arbeit verändern kann und wird.  Rebecca Davis (MHP) & Anja Hendel (Porsche) sind große Fans dieses Konzeptes, da es Firmen unter anderem einen Rund-um-die-Uhr-Support ermöglicht.  Außerdem betonen die beiden Automotive-IT-Expertinnen in diesem Interview: es geht nicht um das X- or Y-Chromosom.

Rebecca und Anja, der Frauenanteil in der Automobilindustrie beträgt nur rund 14 Prozent. Und als Frauen im IT-Umfeld seid ihr eine noch seltenere Erscheinung sein. Was treibt euch an?

Die Automobilindustrie wird sich in den kommenden fünf Jahren gewaltiger verändern als in den vergangenen fünfzig Jahren. Dabei spielt die digitale Komponente eine zentrale Rolle. Smart Mobility oder Connectivity, um nur zwei Schlagwörter zu nennen, fordern uns heraus und dazu braucht es in den Unternehmen mehr und mehr Menschen, die mit ihrem Know-how die digitale Transformation begleiten. Das ist unglaublich herausfordernd. Aber es ist auch motivierend und inspirierend, diesen Wandel mitzugestalten.

Dennoch: Ihr seid als Frauen in diesem Umfeld die Ausnahme …

Ja klar, ein Unternehmen kann ja auch nur abbilden, was beispielsweise die Studienlandschaft vorgibt. Und da sind wir als Frauen in den MINT-Fächern immer noch eine Minderheit. Umso mehr können wir nur ermutigen, diesen Weg zu gehen. Denn bei uns zählt nicht das X- oder Y-Gen, sondern das Porsche-Gen.

Bei #ada17 haltet Ihr einen Workshop über den Arbeitsplatz der Zukunft und wie Tech unsere Arbeit verändern wird. Ist die Zeit von Zettel & Stift vorbei?

Keine Sorge, „unsere Bücher“ haben wir immer noch lieb und wir führen sie nicht nur zu Deko-Zwecken mit uns … Aber darum geht es ja auch gar nicht. Vielmehr verändern sich die Arbeitsgewohnheiten und die künftigen Mitarbeiter entwickeln ganz eigene Vorstellungen vom Arbeitsplatz der Zukunft. Die Work-life-integration löst die Work-life-balance ab und der Einsatz von Tech unterstützt diesen Wandel massiv, besser gesagt: er macht ihn sogar erst möglich. Hier müssen wir also genau schauen, wie wir mit der Zeit gehen, ohne dass wir heute schon konkret sagen könnten, wohin uns die Reise tatsächlich führt.

Viele Firmen sind kritisch gegenüber Arbeitsmodellen wie Distributed Work. Könnt Ihr diese Voreingenommenheit abschwächen?

Distributed Work – also verteilte Arbeitssysteme – sind in einer so globalen Welt nicht mehr wegzudenken. 24/7 Support (FTS Follow-the-sun) funktioniert, da Menschen weltweit Aufgaben übernehmen.
Moderne Collaborations- und Kommunikationstools (etwa Slack Trello und JIRA) machen dies möglich. Natürlich sind Bedenken nicht wegzudiskutieren und viele Führungskräfte haben Schwierigkeiten, den Schritt von einer Präsenz- hin zu einer Ergebniskultur zu vollziehen. Doch es ist wie überall: Je mehr positive Beispiele entstehen, umso mehr wird das Vertrauen wachsen und wird sich ein neues Führungsverständnis durchsetzen.

In einem Eurer Tweets hieß es vor kurzem “Bring on the female nerds!” Wird die Gender Gap in der Automobil-IT kleiner oder ist das Ungleichgewicht in Eurer Branche weiterhin ein großer Mangel?

Wie bereits erwähnt, beginnt das Problem schon in den Universitäten. Die weiblichen Studienabgängerinnen in MINT-Fächern sind leider rar gesät, dass wirkt sich auf Bewerbungszahlen und somit auch auf Mitarbeiteranteile aus. Ziel muss es also sein, Mädchen und junge Frauen schon sehr früh zu technischen Studiengängen und Ausbildungsplätzen zu ermutigen. Hier ist Porsche sicherlich vorbildlich. Wir haben in der technischen Ausbildung den Frauenanteil in den vergangenen vier Jahren von sechs auf fast 30 Prozent erhöht, haben bei den Absolventen eines Dualen Hochschulstudiums eine Frauenquote von fast 50 Prozent und engagieren uns seit Beginn auch bei Femtec, um nur einige Beispiele zu nennen.

WomenInTech Interviews Ada Lovelace 2017

Dieser Artikel stammt aus der Interviewsammlung Ada’s Heiresses 2017, in der SprecherInnen des Ada Lovelace Festivals 2017 Stellung nehmen. Hast Du Lust auf noch mehr #WomenInTech-Content? Dann kannst Du Dir Ada’s Heiresses hier kostenlos herunterladen.

Anja Hendel & Rebecca Davis

Anja HendelNach meinem Wirtschaftsinformatik Studium bin ich bei der Unternehmensberatung Capgemini gestartet. Hier lag mein Fokus auf der Technologie (Programmierung, Daten Migration und Infrastruktur) großer und internationaler SAP-Projekte. Besonders beschäftigt haben mich dabei verteilte Arbeitsmodelle, bei denen global verteilte Teams gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten. Daher habe ich während dieser Zeit mit zwei Kollegen zu diesem Thema auch das Buch „Rightshore: Successfully Industrialize SAP Projects Offshore“ publiziert.
Nach 5 Jahren Beratungserfahrung habe ich dann zu Celesio (heute: McKesson), einem Pharmazeutischen Großhändler gewechselt. Im ersten Schritt habe ich hier das SAP Programmmanagement und den Bereich SAP Services (Enterprise Architecture, SAP Basis, Entwicklung, Autorisierung sowie Systemverantwortung für die zentralen SAP Systeme) aufgebaut. Mein Wissen der vielen internationalen Projekte der Vorjahre konnte ich hier gut nutzen.
Weitere fünf spannende Jahre später habe ich angefangen mich mit dem Projekt Portfolio Management stärker auseinanderzusetzen. Mit diesem Schwerpunktthema bin ich dann auch im Oktober 2013 bei Porsche gestartet. Neben dem Portfolio Management habe ich auch die IT Strategie von Porsche mit gestaltet.
Seit knapp zwei Jahren arbeite ich nun als Management Assistant bei dem CFO von Porsche. Er verantwortet neben dem Finanzbereich auch die IT. Hier treibe ich maßgeblich Digital- und Innovationsthemen im Finanz- und IT-Bereich. Die Konzeption der Porsche Digital GmbH, des Porsche Digital Lab in Berlin sowie des Porsche Innovation Office in Israel sind nur ein Auszug der spannenden Themen mit denen ich mich seither beschäftigt habe.

Rebecca DavisRebecca Davis ist Senior Consultant bei MHP – A Porsche Company im Bereich Digital Innovations & Design Management. Nach ihrem Bachelor in Product Design an der HAWK Hildesheim erweiterte sie ihre Kenntnisse mit dem Joint Master in Global Innovationmanagement an der Strathclyde University in Glasgow und der Aalborg University in Dänemark. In Ihrem Studium erforschte sie den Einfluss von Design-Methoden auf den Innovationsprozess. Seit ihrem Abschluss unterstützt sie große Konzerne bei der Einführung von Kundenzentrierung und Innovationskultur sowohl strategisch als auch operativ. Nach dem sie zwischenzeitlich bei Audi in der Fahrzeug-IT an der Elektrifizierung arbeitete, kehrte Sie Anfang 2017 zu MHP zurück. Zu ihren jetzigen Aufgaben gehören der Ausbau und die Weiterentwicklung des Bereichs Digital Innovation & Design Management.