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Als Frau in der Robotik? Ich liebe es! — Im Gespräch mit Andra Keay

Eine riesige Gender Gap, übertriebene Angst vor Robotern und menschliche Vorurteile, die auf Maschinen angewendet werden – die Robotik hat viele Hürden zu überwinden. Trotzdem liebt es  Andra Keay, Managing Director bei Silicon Valley Robotics, als Frau in der Robotik.  In diesem Interview erklärt sie, warum…


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Als Frau in der Robotik? Ich liebe es! —
Im Gespräch mit Andra Keay

Andra, hast du einen (Lieblings-) Roboter zu Hause? Was kann dieser?

Andra Keay: Ich  liebe Roboter, die so gut funktionieren, dass wir sie gar nicht mehr als Roboter wahrnehmen (wie zum Beispiel einen Staubsauger oder ein Auto). Außerdem liebe ich Roboter, die man selber bauen oder programmieren kann. Ich besitze Cozmo von Anki, eine Maschine mit einer gehörigen Portion Persönlichkeit. Man kann mit Cozmo spielen, aber aufgrund des Open DSK (Developer Kit) auch relativ einfach recht anspruchsvolle Robotik-Programmierung betreiben.

In Deinem #ada17-Fragebogen siehst Du 2017 als Jahr der Social Robots. Welche Projekte faszinieren Dich am meisten in dem Feld?

Andra Keay: Die faszinierendsten Social Robots des Jahres sind die, die wir in unserem alltäglichen Leben zuhause haben und mit denen wir andauernde Unterhaltungen führen. Zum Beispiel Kuri von Mayfield Robotics, Amazons Alexa und Google Home. Sie haben die Fähigkeit, Daten zu sammeln, von denen sie lernen können. Anfangs sieht man keine großen Fortschritte, aber schlussendlich werden unsere Social Robots klüger werden.

Hugh Forrest, der Macher des SXSW, benennt die “Fear of a Robot Future” als eines der größten Themen, denen sich unsere Gesellschaft stellen muss. Teilst Du seine Ansicht? Und was können wir gegen diese Angst machen?

Andra Keay: Roboter sind ja eigentlich nur verkörperte AI (oder automatisierte Computisierung). Roboter sind das komplexeste und komplizierteste Ende auf der Skala der Smart Machines, aber Künstliche Intelligenz und Computerisierung hatten bereits einen riesigen Einfluss auf unsere Gesellschaft und werden diesen auch weiter haben. Unsere Angst vor Robotern ist sehr verfrüht. Wir sollten uns stattdessen lieber auf wichtige Dinge, wie den Zugang zu und die Kontrolle über unsere eigenen Daten, konzentrieren.

Ich habe kürzlich auf RoboHub einen Artikel mit der Überschrift “Sollten Roboter ein Geschlecht haben?“ gelesen. Wie siehst Du diesen Aspekt?

Andra Keay: Roboter sollten nicht gegendert werden! Es gibt das Designkonzept „design down“, bei dem man nur notwendige Merkmale hinzufügen sollte.  Schon jetzt tränken wir die meisten uns umgebenden Objekte mit Persönlichkeit. Wenn wir Roboter ausdrücklich vermenschlichen,  werden wir Vorurteile fortbestehen lassen. Bereits jetzt gibt es gegenderte Stimmen bei Chatbots oder Apps, die stereotyp benutzt werden. Frauen werden in der Regel für Empathie und Überredungskunst benutzt, während männliche Stimmen für Authorität und Anweisungen stehen.

Du hast die Community für Frauen in der Robotik ins Leben gerufen. Hat dieses hochspezielle Tech-Feld eine ähnliche Gender Gap wie das große Geschwisterkind #WomenInTech?

Andra Keay: Die Gender Gap in der Robotik ist größer als in jedem anderen Feld der Computerwissenschaften. Ich glaube nur im Venture Capital-Bereich ist das ganze noch schlimmer. Ironischerweise kenne ich viele, viele beeindruckende Frauen in AI und Robotik, und ein paar Firmen haben auch ein toll ausbalanciertes Geschlechterverhältnis. Aber die meisten Unternehmen beschäftigen überhaupt keine Frauen. Oder haben Frauen, die dann im administrativen Bereich oder im Marketing arbeiten.

Unsere Community Frauen in der Robotik (hier kannst Du Teil der Community werden) ist wichtig, um die Situation gerade für Frauen, die an ihrer Arbeitsstelle isoliert sind, zu verbessern.  Unsere Online Community ermöglicht es Dir mit anderen Frauen zu chatten, ganz egal wo Du arbeitest.

Gleichzeitig spornt Frauen in der Robotik uns an, Meetups und Veranstaltungen ins Leben zu rufen und diesen Anlässen eine größere Reichweite zu verschaffen. Sichtbarkeit ist ein weiterer wichtiger Faktor, um die Genderlücke zu verkleinern. Wir veröffentlich jährlich die Liste  “25 women in robotics you need to know about”, weil greifbare Vorbilder entscheidend sind, um andere Frauen für die Robotik zu begeistern und die Arbeit, die Frauen schon jetzt tuen, anzuerkennen.

Wir haben bereits mehr als 100 Kurzprofile von Frauen in der Robotik veröffentlicht, die alle möglichen Aufgaben von der akademischen Lehre bis zur Industrie abdeckt. Ich freue mich schon jetzt, auch 2017 25 weitere unglaublich interessante Frauen vorstellen zu können.