Der wilde Westen der IT Uta Menges IBM

Der wilde Westen der IT

„Wieso sind wir eigentlich immer noch Pionierinnen in der IT ?“, fragt Uta Menges. Gleichzeitig ist sie als Diversity & Inclusion Leader bei IBM BeNeLux + DACH zuversichtlich, dass Frauen auf dem IT-Treck in der nächsten Zeit näher ans Ziel kommen.

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Wieso sind wir eigentlich immer noch Pionierinnen in der IT? Die Informationstechnologie ist heute doch allgegenwärtig, und Frauen gehen damit ebenso selbstverständlich um wie Männer und nutzen sie ebenso – und nicht nur zum online Shoppen. Dennoch bezeichnen wir uns als Pionierinnen, die Neuland entdecken und sich unter zahlreichen Entbehrungen und Strapazen dort behaupten.

Und wenn wir uns die Zahlen anschauen, ist das auch korrekt: Immer noch liegt der Anteil der Studienanfängerinnen in den MINT-Fächern – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – nur bei 28 Prozent, der Anteil an allen Absolventinnen und Absolventen sogar unter 20 Prozent und weniger als 15 Prozent aller Berufstätigen im MINT-Bereich sind weiblich. Ein Bild, dass sich auch in den Führungsebenen – branchenweit – wiederholt: Im Vorstand und im Topmanagement findet man nach Erhebungen des Managerinnen-Baromenter 2016 nur 6,3% weibliche Top-Führungskräft, das sind genau 57 Frauen. In diesem Tempo werden wir im Jahr 2065 Geschlechtergleichheit am Arbeitsplatz haben – und Ada würde ihren 250ten Geburtstag feiern.

Nun ist das Wesen von Pionierinnen ja, dass sie nicht die Hände in den Schoß legen und abwarten, sondern aktiv werden, um die Umwelt in ihrem Sinn zu gestalten und Hindernisse zu überwinden. Und davon gibt es immer noch einige, die verhindern, dass sich der Gender Gap schließt.

Schauen wir uns die Ausgangslage an: 50 Prozent der Studierenden sind weiblich – und schlagen doch eine andere Karriere als in der IT ein! Frauen brechen uns in Unternehmen zu früh weg – es gibt keine Geschlechtergleichheit bei den Mitarbeitern und so auch nicht in Führungsaufgaben und dann im Topmanagement. Das liegt auch daran, dass wir in Erziehung, Ausbildung und Beruf immer noch geschlechterspezifisch denken. Girls` Day und Boys` Day ist eine schöne Idee, aber zeigt auch den Nachholbedarf, den wir in Sachen Geschlechterneutralität noch haben, gibt es doch nach wie vor typische „Männerberufe“ und „Frauenberufe“. Zudem fehlen Role-Models in größerer Zahl, die mit gutem Beispiel vorangehen. Und auf Konferenzen treffen sich immer die gleichen (Vorzeige –) Referentinnen.

Dabei wird doch die Zusammenstellung der Teams in Unternehmen immer wichtiger: sie sollen agil und divers zusammengesetzt sein. Vielfalt – Diversity – ist mehr als eine Modeerscheinung, es ist vielmehr ein Indikator für Innovation im Betrieb. Nur wo Frauen, Männer, Alte, Junge, Deutsche, Ausländer und andere Talente über alle Hierarchiestufen hinweg zusammenarbeiten, entsteht Innovation. Studien zeigen, dass unterschiedlich zusammengesetzte Teams erfolgreicher bei Problemlösungen sind als homogene. Wenn es um den Aufbau einer Innovationskultur geht, ist Vielfalt in einem Unternehmen essentiell. Nur so sind verschiedene Perspektiven auf ein Thema, sind Kreativität und Leidenschaft gegeben.

Der eigene Anspruch – auch häufig ein Hindernis: Ich beobachte immer wieder, dass Frauen alles perfekt machen wollen und daher mit bestimmten Projekten gar nicht erst anfangen. Wenn Neugierde und persönliche Ambitionen vor der Perfektion stehen, dann geht aber auch was. Wenn wir beispielsweise von der „gläsernen Decke“ reden, geht das stark in die Richtung einer Self-fulfilling Prophecy: Wenn ich beim Betreten von Neuland immer Angst vor dem Ungekannten habe oder mich um meine Bequemlichkeit und Sicherheit sorge, komme ich nie vom Fleck.

Das Vorabend-Event ist die optimale Einstimmung, am 13. Oktober geht es dann mit dem Ada Lovelace Festival so richtig los: über 50 Keynotes, Talks, Panels und Workshops erwarten Dich!

Aber: Licht am Horizont! Ich setze große Hoffnung darauf, dass die Digitalisierung Frauen neue Türen in die Berufswelt der IT öffnet. Frauen können dank der Digitalisierung flexibler arbeiten und stärker von neuen Berufsbildern profitieren, zumal ihnen die digitale Kompetenz liegt. Neue Technologien wie künstige Intelligenz lassen auch einen größeren kreativen Freiraum zu, der Frauen liegt. Ich beobachte das auch in meinem Unternehmen: mit IBM Watson, unserem kognitiven System, haben wir Neuland betreten. Es denkt mit, versteht Sprache und es entsteht ein ganz neue Welt an Anwendungen. Und wer ist da ganz vorne mit dabei? Frauen als Beraterinnen, Vertrieblerinnen, Technikerinnen. Hier können Frauen ihre Begeisterung und Kreativität ausspielen und etwas bewegen.
Ich denke also, dass wir Pionierinnen in den nächsten Zeit mit unserem Treck näher ans Ziel kommen! Und was sich uns in den Weg stellt? Sammeln wir ein und nehmen wir mit!