Matthias Hohensee: Aus der Herrschaft der Daten soll keine Diktatur werden

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Daten Matthias Hohensee

Matthias Hohensee ist Bürochef Silicon Valley bei der WirtschaftsWoche und moderiert im Juli das Event Business After Future in Berlin. In diesem ursprünglich in der WirtschaftsWoche (Nr. 19/2016) erschienen Artikel plädiert Hohensee dafür, durch  Daten fundierte Entscheidungen mit Instinkt und Leidenschaft zu koppeln.

 Keine Diktatur der Daten

Maschinen entscheiden immer mehr. Umso wichtiger werden Leidenschaft und Mut.

Alles regeln, steuern, erfassen, messen – im Internet der Zukunft gibt die künstliche Intelligenz die Richtung vor, und Maschinen erledigen fast alles. Das ist momentan die Marschrichtung des Silicon Valley. Der hiesige Zukunftsforscher Paul Saffo erwartet sogar, dass es in ein paar Jahren erste Unternehmen geben wird, deren Belegschaft fast nur aus Maschinen besteht.

Wo sich alles vorhersagen lässt, gibt es scheinbar keine Überraschungen mehr. Auch wenn Künstliche-Intelligenz-Forscher mithilfe spezieller Rechenvorschriften (Stichwort Fuzzylogic) Unschärfen in präzise Dinge modellieren, eins lässt sich – zumindest derzeit – noch nicht in Algorithmen pressen: Leidenschaft. Gekoppelt mit der Bereitschaft, auch einmal Dinge zu tun, die nach historischer Erfahrung eigentlich schiefgehen müssten.

„Kreativität kommt aus der Passion für Dinge, von denen Sie persönlich überzeugt sind, ja, für die Sie förmlich brennen“, sagt Tim Leberecht. Der ehemalige enge Mitarbeiter von Designlegende Hartmut Esslinger hat sich genau darauf spezialisiert, berät von seiner Heimatbasis San Francisco Unternehmen und Organisationen, wie sie diese Leidenschaft entfesseln oder wiederentdecken.

Basis dafür ist sein Bestseller „Business-Romantiker“ – ein Plädoyer gegen die kalte Herrschaft der Daten. Leberecht hat Leute wie Apple-Gründer Steve Jobs im Kopf, der ein Meister des leidenschaftlichen Strebens nach Perfektion war, des Anfeuerns von Emotionen, nicht nur bei seinen Mitarbeitern. Hardware galt Ende der Neunzigerjahre als Auslaufmodell, Jobs akzeptierte das nicht. Multi-Gründer Elon Musk ist ähnlich gestrickt. Eine maschinelle Datenanalyse hätte mit Sicherheit ergeben, lieber die Finger von Abenteuern wie reinen Elektroautos oder wiederverwendbaren Raketen zu lassen. Machbar, aber viel zu riskant.

Als Marissa Mayer noch bei Google war, schwärmte sie mir einmal davon vor, was sie alles testen könnte – von der Farbe der Suchmaske bis hin zur besten Schrifttype. Bei der Suchmaschine, ohnehin populär, funktionierte diese Perfektion. Bei Yahoo, wo Mayer erfolglos nach neuen Wachstumsquellen suchte, schon nicht mehr. Reine Datenanalysen halfen nicht weiter. Das Unternehmen wurde durch ständige Führungswechsel, Umorganisationen und Entlassungen gebeutelt – dabei ist ihm die Passion abhanden gekommen.

Wobei Romantik im Geschäft nicht mit Wohlfühlen gleichzusetzen ist. Leidenschaft tut manchmal weh, wie erschöpfte ehemalige Mitstreiter von Jobs und Weggefährten von Musk wissen.

Die Dominanz der Algorithmen ist vorgezeichnet. Gewinnen wird aber der, der durch Daten fundierte Entscheidungen mit Instinkt und Leidenschaft koppelt.  Und mit der Gabe, sein Team, seine Mitarbeiter gegen alle Widrigkeiten von dieser Mission zu überzeugen. Daher ist Leidenschaft eines der Hauptthemen für die diesjährige WirtschaftsWoche-Konferenz Business After Future. Auf dass aus der Herrschaft der Daten keine Diktatur werde.

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