Biometrie – der nächste Schritt beim digitalen Bezahlen

Auch in Deutschland geht der Trend immer mehr zu kontaktlosem und mobilem Bezahlen. Der nächste Schritt, wie Convention³-Referent Paul-Gerhard Haase von MasterCard Worldwide berichtet, ist der auf Biometrie basierte Bezahlvorgang.

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Herr Dr. Haase, MasterCard hat die Aspekte kontaktloses und mobiles Bezahlen in Deutschland mit nach vorne gebracht. Wie hoch ist mittlerweile der Anteil kontaktloser Akzeptanzstellen?
Dr. Paul-Gerhard Haase: Wir sehen seit ca. 1 Jahr eine Trendwende im Markt für kontaktloses und mobiles Bezahlen. Diese liegt nicht zuletzt auch am von MasterCard vorangetriebenen Einstieg der „Digital Giants“ in das NFC-basierte Bezahlen. Bereits im letzten Jahr hat MasterCard angekündigt, dass alle Terminals, die ab 2015 ausgeliefert wurden mit der Kontaktlos Funktionalität ausgestattet werden. Bis Ende 2018 sollen darüber hinaus sämtliche Terminals im Markt ausgetauscht werden, die bis dahin noch nicht für das kontaktlose Bezahlen geeignet sind. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es bereits mehr als 60000 Kontaktlos-Terminals. Bis zum Ende der Jahres rechnen Experten mit rund 100000 Terminals und bis Mitte des Jahres 2016 mit rund 200000. Sie haben sicher der Presse entnommen, dass fast alle großen Discounter in Deutschland die Aktzeptanz für MasterCard geöffnet haben und gleichzeitig auch das kontaktlose Bezahlen unterstützen.

In Ihrem Beitrag auf der WirtschaftsWoche Convention³ sprechen Sie von Digitaler Konvergenz, Identität und Biometrie. Was passiert im Bereich der Digitalen Identitäten?
Haase: Die eindeutige digitale Identität ist ein Phänomen, das sich bisher im Internet und somit auch im e-commerce nur schwer bewerkstelligen ließ. Ganz im Gegenteil war es bisher durchaus Geschäftskonzept von Digital Giants, durch Mehrfachkonten auch die Userzahlen künstlich nach oben zu treiben. Wer von uns arbeitet nicht mit mehreren E-Mail-Adressen z. B. für private und geschäftliche Zwecke? Biometrie und in dem Zusammenhang die Nutzung ein und derselben Konten über alle digitalen Kanäle verändert dies grundlegend, was für die Akzeptanz geschäftskritischer Vorgänge wie dem digitalen Bezahlen von großem Nutzen sein wird. Darüber hinaus ermöglicht Biometrie die permanente Identifikation, wie z. B. die automatische Gesichtserkennung bei Betreten eines Gebäudes.

Und was haben Biometrie und Bezahlmethoden miteinander zu tun?
Haase: Biometrie schließt sozusagen die „letzte Meile“ digitaler Authentifizierung auch im Bezahlvorgang. Dies erhöht die Sicherheit bei gleichbleibender Schnelligkeit und erhöhtem Komfort beim Bezahlen. Den entscheidenden Durchbruch haben wir hier auch den Apples und Samsungs dieser Welt zu verdanken, die für eine breite Verfügbarkeit und Akzeptanz in der Bevölkerung gesorgt haben.

Wo steht Deutschland diesbezüglich im internationalen Vergleich? Was können wir von anderen Ländern lernen?
Haase: Deutschland ist trotz jüngster Fortschritte eher im Mittelfeld, was digitale Bezahlmethoden angeht. Mit dem Motto „nur Bares ist Wahres“ wird sich dies nicht verändern und auch weiterhin der Schattenwirtschaft Tür und Tor offenstehen. Andere Staaten haben diese negativen Effekte von Bargeld erkannt und setzen auf elektronisches Bezahlen zugunsten der ganzen Volkswirtschaft. Wenn wir uns einige Länder in Nord- und Osteuropa oder auch ferne Länder wie Australien und Neuseeland anschauen, so zeigt sich deutlich, dass die Bereitschaft für digitales Bezahlen signifikant mit dem damit verbundenem Nutzen-Gewinn steigt. Hier sind die Firmen der Finanzindustrie – ob neu oder alt – gefragt, mit kreativen Ideen neue Erlebnisse durch den Einsatz digitaler Services beim Einkauf zu vermitteln. Bezahlmethoden selbst sind hier nur ein Baustein, der durch weitere Elemente erweitert werden muss.

Dr. Paul-Gerhard HaaseDr. Paul-Gerhard Haase ist Head of Sales Private & Retail Banks International Markets bei
MasterCard Worldwide