Mobile Payment vs Bargeld im Realitäts-Check

Bastian Schmidtke (orderbird) nimmt die deutsche Mobile Payment-Gegenwart unter die Lupe: Noch ist mit dem Handy zu bezahlen, als würde man in Kreuzberg mit einem Porsche aufkreuzen. Außerdem hat Schmidtke derzeit keine Lust sich zum Affen zu machen und ein Wearable zu tragen.

Herr Schmidtke, wann haben Sie zuletzt mit Ihrem Smartphone bezahlt?

Keine Ahnung, wann das war. Es ist auf jeden Fall schon Monate her. In Berlin werden kaum Kartenzahlungen akzeptiert. Mit dem Handy zu bezahlen ist dann so, als würde man in Kreuzberg mit einem Porsche aufkreuzen. Von bösen Blicken hin bis zu bissigen Kommentaren kann man sich da auf einiges einstellen. Im Ernst: Wer beim Bezahlen auf Nummer sicher geht, braucht in Berlin Bargeld. Das ist schlimm, aber gelebte Realität. Ich nutze öfters Paypal, auch weil wir damals mit orderbird der erste deutsche Kassenhersteller waren, der das PicturePayment von Paypal implementiert hat. Das funktioniert, aber noch nicht so schnell wie Bargeld. Im Zweifel ist beim Bezahlen jede Hürde eine zu viel.

Mobile Payment – zu viele Hürden

Auf der WirtschaftsWoche Convention³ erklären Sie „warum Mobile Payment bisher nicht funktioniert und der Kunde zu Recht Angst hat“. Ach ja?!

Oh ja! In kurz: Weil vor dem Anwender vom Registrieren bis zum Benutzen von Mobile Payment-Lösungen zu viele Hürden liegen, von denen einige nicht sein müssten. Wir Deutschen sind für unsere kritische Haltung zur Datenspeicherung bekannt. Dennoch kommen selbst deutsche Unternehmen selten auf die Idee, Kunden vor allzu sammelwütigen Strukturen zu schützen. Apple hat das bei der Vorstellung von Apple Pay stolz verkündet: „Wir wissen nicht, was Du bezahlst. Der Ladenbesitzer weiß nicht, wer Du bist.“ Das klang für mich überzeugend. Selbst wenn es ein Placebo ist, wirkt es. Vielleicht ist genau dieses Argument das Zünglein an der Waage.

Kann ich gut verstehen. Was muss sich denn ändern?

Die Nutzer müssen ernst genommen werden. Als Produktmanager weiß ich selbst, wie schwer es ist, den wirklich Nutzer zu verstehen. Allerdings halte ich es für den einzig richtigen Weg, ein Produkt zu schaffen, das vom Nutzer anerkannt wird und ihm Spaß bei der Benutzung macht. Ich höre immer noch viel zu oft aus den Unternehmen: „Das ist noch nicht fertig, das können wir noch nicht zeigen.“ Das ist meiner Ansicht nach ein Zeichen dafür, dass die Verantwortlichen Angst vor hartem Feedback haben. Das harte Feedback ist es aber, wovon ein gutes Produkt am meisten profitiert.

Abschlussfrage: Mobile Payment und Wearables – ein neues Dreamteam?

Was für eine Frage!? Ein Wearable passt kaum zu meinem aktuellen Selbstbild, obwohl ich grundsätzlich aufgeschlossen Neuem gegenüber bin. Es stört mich sehr, dass die Hersteller mehr Informationen aus den Daten holen, als sie zugeben und ich habe den Eindruck, dass mich Unternehmen aus dem Silicon Valley deutlich besser einschätzen können, als die meisten Psychologen. Also, um auf die Frage zu antworten: Nein, ich glaube dass mobile Bezahlung allein keine Rechtfertigung ist, sich zum Affen zu machen und ein Wearable zu tragen.

Mobile Payment Bastian Schmidtke

 

Bastian Schmidtke ist Mit-Gründer, Produkt & Innovation bei orderbird