Tim Leberecht – der Business-Romantiker


Was Zeitgenossen denken und was man von ihnen lernen kann, faszinierte die Menschen von jeher. Nicht zuletzt deshalb gab es wohl Ende des neunzehnten Jahrhunderts die in den Pariser Salons beliebte Tradition, Gäste zum eigenen und gegenseitigen Amüsement einen persönlichen Fragebogen ausfüllen zu lassen, wie ihn die meisten heute vermutlich aus den „Freundschaftsbüchern“ unserer Kinderzeit kennen.
Eigene Berühmtheit erlangte dabei ein Fragebogen, dem sich seinerzeit der französischen Schriftsteller Marcel Proust widmete – einmal im zarten Alter von 13 Jahren, ein zweites Mal als 20-Jähriger. Dieser „Questionnaire“ – von ihm selbst betitelt als „Marcel Proust par lui- même“ – diente u.a. FAZ und Vanity Fair als Vorlage für zahlreiche Prominenten-Fragerunden. Wir greifen diese analoge Tradition zur „WiWo Digital-Suite“ auf und beginnen unsere Vorstellungsrunde mit den unterhaltsamen Antworten von Tim Leberecht.

Der digitale Wandel erfasst alle Bereiche der Gesellschaft – blicken Sie optimistisch oder pessimistisch in die Zukunft?

„Immer beides. Aber der Pessimismus laesst sich nur mit Optimismus ertragen.“

Welche technologische Entwicklung finden Sie derzeit am interessantesten und warum?

„KI – weil es alles ändern wird.“

Nutzen Sie bereits künstliche Intelligenz in Ihrem Unternehmen (z. B. Chatbots, Predicitve Analytics etc.)?

„Ein bisschen, nicht genug.“

Brauchen Unternehmen heute zwingend einen CDO – also einen Experten, der sich bereichsübergreifend um die Digitalisierung des Unternehmens kümmert?

„Nein, denn es ist eher ein kultureller Wandel, und der kann nur funktionenübergreifend gestaltet werden. Digitalisierung ist Sache des CEOs und jedes einzelnen Mitarbeiters.“

Welche Eigenschaften zeichnen einen „Digital Leader“ aus?

„Intuition und grenzenlose Neugierde.“

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

„Fehler von Menschen, die ich mag.“

Welches Talent hätten Sie gerne?

„Standup Comedy.“

Was motiviert Sie?

„Was nach mir kommt.“

Was möchten Sie im Rückblick über Ihr Berufsleben sagen können?

„Es war sinnvoll und schön.“

Was wollten Sie als Kind werden?

„Verleger oder Filmemacher.“

Was ist online Ihre Lieblingsbeschäftigung?

„Fussball-Blogs lesen.“

…und offline?

„Fussball-Spiele im Stadion verfolgen, Fliegen und Zeit mit meiner Familie verbringen (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge…).“

Facebook, LinkedIn, Twitter, Instagram….ganz woanders – in welchem sozialen Netzwerk sind Sie am liebsten unterwegs?

„Twitter. Hier schlägt der Puls am höchsten.“

Ihr Lieblingsplatz in der „realen“ Welt?

„Ein gemütliches Abendessen mit Freunden.“

An welchem Ort kommen Ihnen die besten Ideen?

„Mit dem Moleskine am Pool.“

Wann haben Sie das letzte Mal einen Brief mit der Hand geschrieben?

„Ich schreibe meiner Frau jedesmal einen kleinen Brief, bevor ich auf Reisen gehe (also jede Woche).“

Benötigen Sie von Zeit zu Zeit eine Art „Digital Detox“? Wenn ja, was tun Sie dann?

„Ich glaube nicht an „Detoxes.“ Ich glaube an gesunde Ernährung.“

Welche Tätigkeit würden Sie sich gerne von einem Roboter abnehmen lassen?

„Unangenehme Gespraeche (z.B. Verhandlungen oder Mitarbeiter feuern).“