Dr. Nathalie von Siemens: Sinnstifterin mit Unternehmergeist


Zoodirektorin ist Nathalie von Siemens nicht geworden. Aber sie könnte 2018 an die Spitze des Siemens-Konzerns vorrücken. Als Vorsitzende des Vorstands der Siemens-Stiftung unterstützt die Ur-Ur-Enkelin von Firmengründer Werner von Siemens Bildungs- und Entwicklungsprojete auf der ganzen Welt. Digitale Bildung liegt ihr dabei besonders am Herzen.

Der digitale Wandel erfasst alle Bereiche der Gesellschaft – blicken Sie optimistisch oder pessimistisch in die Zukunft?

Optimismus wie Pessimismus tragen als Superlative immer die Gefahr von Hysterie in sich. Das macht mich skeptisch. Ich bin vor allem neugierig und freue mich auf all das Neue, das noch vor uns liegt. Deshalb möchte ich auch mindestens 100 Jahre alt werden, um möglichst viel davon kennenlernen zu können.

Welche technologische Entwicklung finden Sie derzeit am interessantesten und warum?

Mich faszinieren neue Materialien, vor allem solche, die Eigenschaften von organischem Gewebe integrieren. Ich glaube, dass gleichzeitig mit dem Paradigmenwechsel der Digitalisierung auch ein Wechsel im Fokus von der anorganischen zur organischen Physik stattfindet. Das eröffnet enorme neue Räume.

Nutzen Sie bereits künstliche Intelligenz in Ihrem Unternehmen (z. B. Chatbots, Predicitve Analytics etc.)?

In der Siemens Stiftung selbst nicht, aber im Stiftungswesen wird mit Partnern zusammengearbeitet, die KI nutzen. Das ist natürlich eine faszinierende Gelegenheit die Frage neu zu stellen: Wer bin ich als Mensch?

Brauchen Unternehmen heute zwingend einen CDO – also einen Experten, der sich bereichsübergreifend um die Digitalisierung des Unternehmens kümmert?

Ich glaube nicht. Im Kontext der Digitalisierung halte ich die Veränderung von Haltungen für grundsätzlicher als die Einführung von Prozessen. Und wie viele Haltungen haben sich verändert durch die Einführung von Frauenbeauftragten?

Welche Eigenschaften zeichnen einen „Digital Leader“ aus?

Ich mag die Kombination von „digital“ und anderen Begriffen wie „leader“ oder „Gesellschaft“ nicht. Da kommen sehr merkwürdige Bedeutungen heraus. Ein digitaler leader wäre ja im Wortsinn einer, der „digital“ führt, also nur 0 oder 1, entweder oder kennt. Im Kontext der Digitalisierung hat „good leadership“ aufgrund exponentieller Entwicklungen aber sicher viel mit Haltungen wie der Klugheit zu tun, die es einem erlaubt, schnell Relevanz zu erkennen und gut abzuwägen. Und wenig mit einer Haltung, die Kinder „Bestimmertum“ nennen.

Was wollten Sie als Kind werden?

Ich wollte Zoologie studieren und Zoodirektor werden.

Was ist online Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Politische Satire weltweit miterleben. Humor ist Ausdruck von Freiheit und durch des Netzes können wir das teilen. Dafür bin ich dankbar, es bringt mich zum Lachen und macht Mut

An welchem Ort kommen Ihnen die besten Ideen?

Ortsunabhängig im Gespräch

Wann haben Sie das letzte Mal einen Brief mit der Hand geschrieben?

Regelmäßig. Je wesentlicher und persönlicher ein Brief ist, desto wichtiger ist es mir, ihn mit der Hand zu schreiben

Benötigen Sie von Zeit zu Zeit eine Art „Digital Detox“? Wenn ja, was tun Sie dann?

Ausschalten. Mache ich regelmäßig, ich will mich gar nicht erst vergiften. Und Null-Diäten machen immer schlechte Laune.