Christoph Bornschein: Digitaler Einflüsterer


Die digitale Zukunft mitgestalten, das ist eines der Ziele von Christoph Bornschein, den das Handelsblatt unter die 100 klügsten Köpfe Deutschlands wählte. Deshalb gründete er mit die Agentur „Torben, Lucie und die gelbe Gefahr“ – kurz TLGG – die Unternehmen in Sachen Digitalisierung auf die Sprünge hilft.  Die besten Ideen, so sagt er,  hat er am Rednerpult und im Taxi auf dem Weg dahin. Dann hoffen wir mal, dass die Taxifahrt zur D-Suite im Oktober ganz besonders inspirierend ist. 🙂

Herr Bornschein, der digitale Wandel erfasst alle Bereiche der Gesellschaft – blicken Sie optimistisch oder
pessimistisch in die Zukunft?

Ich bin da durch und durch technologiepositiv: Alles wird einfacher, klüger, automatischer, im  Idealfall sogar sicherer. Der Weg dahin, der macht mir mitunter Sorgen, aber deswegen arbeite  ich ja daran und warte nicht nur darauf, dass mich das selbstfahrende Auto zum Ostseeurlaub abholt.

Welche technologische Entwicklung finden Sie derzeit am interessantesten und warum?

Nachdem wir mit Musik, Film und Medien an sich schon ein paar spannende Fallstudien für den  Wandel erlebt haben und noch erleben, ist der Umgang der Automobilindustrie mit den aktuellen  technologischen Möglichkeiten und Imperativen sicher der spannendste. In den letzten zehn Jahren haben sich E-Mobility und autonomes Fahren rasant entwickelt – und erleben noch  einmal eine rasante Beschleunigung. Und doch tun so viele etablierte Größen so, als hätte sich  das Thema mit einem schlechten Tesla-Börsentag erledigt. Wie gesagt: Der Weg macht mir  mitunter Sorgen.

Nutzen Sie bereits künstliche Intelligenz in Ihrem Unternehmen (z. B. Chatbots, Predictive
Analytics etc.)?

Als fixe Ressource nicht, als Experiment unbedingt.

Brauchen Unternehmen heute zwingend einen CDO – also einen Experten, der sich bereichsübergreifend um die Digitalisierung des Unternehmens kümmert?

Unternehmen brauchen zwingend jemanden, der sich bereichsübergreifend um die
Digitalisierung kümmert. Das kann ein CDO, das kann ein Digitalteam, das muss aber vor allem  jemand sein, der oder die Entscheidungen treffen und umsetzen kann – mit dem Rückhalt der  Führungsetage und mit gutem Change Management. Eine reine CDO-Position ohne weitere  Vernetzung ins Unternehmen wird wenig bewegen können.

Welche Eigenschaften zeichnen einen „Digital Leader“ aus?

Die wichtigste ist sicherlich das Wissen um die eigenen Grenzen. Dazu kommt die Fähigkeit,  Unterstützung und Beratung zu suchen, zu bewerten und in die eigenen Entscheidungen  einfließen zu lassen.

 Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Die, aus denen sich mehr lernen lässt als „Nicht nochmal machen“.

Welches Talent hätten Sie gerne?

Ich bin talentlos glücklich.

Was motiviert Sie?

Mein Zukunftsoptimismus. Ich denke, dass wir uns auf eine gute Welt zubewegen, und sorge gern für Orientierung auf dem Weg dahin.

Was möchten Sie im Rückblick über Ihr Berufsleben sagen können?

Ich habe mit lauter guten Leuten etwas Gutes gebaut, das bleibt.

Was wollten Sie als Kind werden?

Groß.

Was ist online Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Twitter.

…und offline?

Reuben Sandwiches.

Facebook, LinkedIn, Twitter, Instagram….ganz woanders – in welchem sozialen Netzwerk sind Sie am liebsten unterwegs?

Twitter. Nirgends lernt man mehr und nirgends lassen sich die eigenen Filter besser schulen.

Ihr Lieblingsplatz in der „realen“ Welt?

Tun Sie bitte nicht überrascht: TLGG in Berlin und TLGG in New York.

An welchem Ort kommen Ihnen die besten Ideen?

Am Rednerpult und im Taxi auf dem Weg dahin.

Wann haben Sie das letzte Mal einen Brief mit der Hand geschrieben?

Das ist mir zu privat. Also wirklich.

Benötigen Sie von Zeit zu Zeit eine Art „Digital Detox“? Wenn ja, was tun Sie dann?

Die Antwort auf die zweite Hälfte der Frage wäre sicher spannend, aber leider ist die Antwort auf die erste Hälfte: Nein.

Welche Tätigkeit würden Sie sich gerne von einem Roboter abnehmen lassen?

Auch das ist mir zu privat. Also wirklich.