Corona als Beschleuniger der Transformation & Digitalisierung – Wie kann der Spagat Zukunft Digitalisierung und Kostenmanagement gelingen?

Dr. Michael Rolle

Interview mit: Dr. Michael Rolle, CFO, DHL Supply Chain

Was waren Ihre ersten Reaktionen, Gedanken, als die Corona-Pandemie auch Ihre gesamte Aufmerksamkeit als CFO forderte?

Die ersten Gedanken galten unseren Mitarbeitern und unserer Operations – welche Maßnahmen benötigen wir, um die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter weiter sicherzustellen und somit auch weiterhin unsere Leistungen gegenüber unseren Kunden zu erbringen. Danach standen der Cash Flow und die Liquiditätssicherung natürlich im Fokus, vor allem aber standen unsere Kunden im Mittelpunkt. Da wir alle Industrien über langlaufende Verträge bedienen, haben wir sehr unterschiedliche Auswirkungen der Pandemie gesehen – negative Auswirkungen auf die Volumen in einzelnen Industrien wie Automotive und Retail wo Risikomanagement und gemeinsame Lösungen gefordert waren, die aber überkompensiert wurden durch extrem positive Auswirkungen in Bereichen wie dem gesamten Bereich E-Commerce, Pharma/Healthcare oder auch Airfreight. In Summe kommt so die Logistikindustrie und auch wir sehr gut und gestärkt durch die Krise.

Welche Herausforderungen und auch Learnings ziehen Sie aus der aktuellen Lage? Welchen Stellenwert sollten Digitalisierungsprojekte aktuell und auch zukünftig in den Unternehmen haben?

Unternehmen die frühzeitig ihre Prozesse digitalisiert haben, konnten die Herausforderungen der Krise besser meistern als andere. Auch wir bei DHL konnten davon profitieren nicht zuletzt dank der Maßnahmen und Investitionen aus unserer Konzernstrategie 2025 „Delivering Excellence in a Digital World“. Unsere dezentrale Organisationsstruktur rund um unsere Warehouses und Logistikzentren und unsere Projekt- und Kundenorganisierten Strukturen haben es zudem erleichtert schnell auf Home Office und Remote Arbeiten umzustellen und trotzdem weiter unsere Leistungen und Projekte im Plan zu erbringen. So haben wir zum Beispiel auch unser Controlling und unsere KPI Dashboards vor Jahren umgestellt auf ein Digitales Reporting über welches jeder Mitarbeiter seine Kennzahlen wöchentlich in einer App abrufen kann und mit seinen Teams und vorgesetzten besprechen kann. Auch in unseren Warehouses konnten wir erste Früchte unserer Automatisierungs- und Roboticsprojekte in der Krise ziehen, da wir flexibler auf reduzierte Einsetzbarkeit von Arbeitskräften reagieren konnten und Lager- und Pick-und-Pack Prozesse teilweise automatisiert laufen lassen konnten. Die Lehre aus Corona ist für mich insofern, dass eine weitere Digitalisierung von Prozessen aber auch Produkten und letztlich Geschäftsmodellen essentiell bleibt und man als Management Team versuchen muss auch in Zeiten anderer kurzfristiger Prioritäten diese Projekte kontinuierlich weiter auszurollen.

Was sind Ihre Erfolgsfaktoren für eine schnelle Digitalisierung?

Das Thema muss von oben gelebt und vorgegeben werden, damit das Thema im Fokus und in der Priorität der gesamten Organisation verankert ist. Zum zweiten sind meines Erachtens Lighthouse Projekte sehr hilfreich, wo erfolgreiche Digitalisierungsprojekte in der Organisation geteilt werden und anhand derer die Vorteile von solchen Projekten messbar und nachvollziehbar gemacht werden und die dann ausgerollt werden können.

Was raten Sie abschließend anderen CFOs, die gegebenenfalls momentan mehr den Fokus auf Liquiditätssicherung, Kostenmanagement legen müssen: Wie kann der Spagat Zukunft Digitalisierung und Kostenmanagement gelingen?

Wir als CFOs müssen dafür sorgen, dass Automatisierungs- und Digitalisierungsprojekte auch in Zeiten mit hohem Fokus auf Cash und Capex – wenn auch vielleicht temporär fokussierter –weiter finanziert und umgesetzt werden können. Zum einen ist das wichtig um nicht Zeit zu verlieren bei der Digitalisierung, es ist aber auch wichtig um die Kultur des Unternehmens und den Fokus der Mitarbeiter weiter auf diesem Thema zu behalten.

Abschließend: Was sind Ihre 5 persönlichen Tipps, um als CFO den gelassenen Überblick zu behalten, die Zukunft zu verändern und dabei Mitarbeiter und Shareholder mitzunehmen?

Auch in Krisenzeiten immer positiv bleiben und auf die Erfolge und positiven Entwicklungen fokussieren. Mitarbeiter sind gerade in Krisenzeiten umso sensibler gegenüber dem Auftreten und den Zwischentönen, die vom Management kommen und wir müssen daher mit gutem Beispiel voran gehen. Generell würde ich aber sagen ist Kommunikation bei dem Thema Digitalisierung definitiv ein wichtiger Aspekt sowohl intern als auch extern gekoppelt mit einer klaren Strategie und einem möglichst klaren Zielbild wo die Reise hingeht – auch wenn sich dies im Laufe der Zeit anpassen kann -, damit alle Stakeholder die Maßnahmen verstehen und ihre langfristige Bedeutung einordnen können. Schließlich müssen aber auch die notwendigen Fähigkeiten in der Organisation geschaffen werden und ggf. über gezieltes Recruiting sowohl im Fachbereich als auch auf der Führungseben neu und ergänzend aufgebaut werden, damit die Digitalisierungsagenda ein Erfolg wird und zügig umgesetzt werden kann.

Vielen Dank für das Interview.

CFO Digital-Suite
neuer Termin

Jetzt anmelden

Anmelden