Interview im Vorfeld der WirtschaftsWoche „CFO Digital Suite“ (8.+9. Oktober 2020, Berlin) mit Jochen Werne, CDO/CVO, Mitglied der Geschäftsleitung PROSEGUR Germany, Autor und preisgekrönter NGO-Gründer

Interview im Vorfeld der WirtschaftsWoche „CFO Digital Suite“ (8.+9. Oktober 2020, Berlin) mit Jochen Werne, CDO/CVO, Mitglied der Geschäftsleitung PROSEGUR Germany, Autor und preisgekrönter NGO-Gründer

Wie sieht die Zukunft aus? 3 Digital-Tipps für CFOs in unsicheren Zeiten, um die Zukunft zu steuern.

1. Was waren Ihre ersten Gedanken, als die Corona-Pandemie auf die Wirtschaft und somit auf die Unternehmen aller Branchen traf?

Im Gegensatz zu anderen ad-hoc eintretenden Katastrophen wie bspw. 9/11, traf uns die Corona-Pandemie in Wellen und somit fällt es mir schwer meinen ersten Gedanken festzumachen. Fühlbar für uns alle wurde es sicherlich, als die von den Regierungen der Welt eingeleiteten Maßnahmen, das Leben jedes einzelnen begannen persönlich zu betreffen.

Somit waren die ersten Gedanken persönlicher Natur sicherlich der Sorge und dem Schutz der Gesundheit seiner Nächsten gewidmet, im Speziellen wenn sie einer der bekannten Gefährdungsgruppen angehören.

Das Zweite ist der professionelle Gedanke, der aus der Verantwortung um sein Unternehmen und seine Mitarbeiter erwächst. Hier war der erste Gedanke mehr eine Abfolge von Gedanken, die sich an der eigenen Einschätzung festmachte, wie diese Pandemie und im Speziellen die Maßnahmen die von Staatsseiten international getroffen werden sich auf Angebot und Nachfrage auswirken und längerfristig das Konsumentenverhalten beeinflussen. Klar war jedoch sofort, dass die Maßnahmen eine globale Rezession und eine Beschleunigung bereits existierender Trends wie bspw. der Digitalisierung auslösen würde und dies die entsprechenden und sicherlich auch harten Entscheidungen im Unternehmen erfordern würde.

2. Wie können CFO in unsicheren Zeiten ihr Business dennoch sicher planen trotz aller Planungsunsicherheiten?

Mit der Digitalisierung im Zeitalter exponentieller Technologieentwicklungen haben sich die meisten Unternehmen und somit sicherlich auch die CFO’s dieser an wesentlich kürzere Planungszyklen gewöhnt. Dies ist von großem Vorteil. Gerade CFO’s wissen mit Planungsunsicherheiten umzugehen. Für sie stellt sich lediglich die Frage ob die Flexibilität und Agilität in ihrem Unternehmen ausreicht um eine in der Krise getroffene strategisch-taktischen Maßnahme zum Erfolg zu bringen. Hier muss der CFO sämtliche Rollen – vom Kontrolleur bis hin zum Risikoinvestor – neu leben.

3. Welche Herausforderungen und auch Learnings ziehen Sie aus der aktuellen Lage? Welchen Stellenwert sollten Digitalisierungsprojekte aktuell und auch zukünftig in den Unternehmen haben?

Die Lehren aus der Geschichte haben gezeigt, dass besondere Ereignisse wie ein Turbo bereits existierender Entwicklungstrends wie beispielsweise der Digitalisierung sind. Und zwar in zweierlei Richtung. Zum Einen sind die Marktteilnehmer in einer Krise gezwungen, Ineffizienzen in ihren Organisationen schnellstmöglich zu beseitigen und strategische ad hoc-Anpassungen vorzunehmen um weiterhin wettbewerbsfähig zu sein. Zum Zweiten werden in Krisensituationen viel schneller und massiver, staatliche Fördermaßnahmen freigegeben. Treffen die Effekte dann in der post-Krise zusammen, profitieren sowohl Unternehmen wie Gesamtwirtschaft. Dies gilt heute vor allem auch für Digitalisierungsprojekte.

4. Was raten Sie anderen CFOs, die gegebenenfalls momentan mehr den Fokus auf Liquiditätssicherung, Kostenmanagement legen müssen: Wie kann der Spagat Digitalisierung versus Kostenmanagement strategisch und operativ gelingen, um sicher in die Zukunft zu steuern?

Im Überlebenstraining für Seefahrt in der Arktis und Antarktis lernen Sie die 10:10:10 Regel, d.h. dass sie in der Extremsituation, wenn sie bei Wassertemperaturen um den Gefrierpunkt über Bord fallen zunächst einmal den ersten Kaltwasserschock und somit die ersten 10 Sekunden überleben müssen. Am besten ist dies vergleichbar mit dem erhöhten Herzschlag und der Kurzatmigkeit eines Saunagängers, wenn dieser ins Kaltwassertauchbecken springt….nur ohne Vorwarnung. Im Business sind dies die Entscheidungen die sie im Management Board treffen um ihr Unternehmen in schweren Zeiten kurzfristig überlebensfähig zu halten. Dazu zählt mit Sicherheit auch Liquiditätssicherung. Die zweite 10 steht für zehn Minuten, d.h. die Zeit in der sie handlungsfähig bleiben und sich in Eiswasser bewegen können. Im Unternehmenskontext ist dies die Zeit in der die (Neu)-Ausrichtung des Unternehmens erfolgt, basierend auf der Einschätzung der neuen Situation, d.h. welche Projekte sollen verfolgt werden und von welchen sollte man sich verabschieden. Darauf folgt die 10 Stunden-Phase in der “die Transformationschance” der Krise im early-post-crisis Szenario ihre Wirkung zeigt. Im Eiswasser ist es so, dass Bewegungslosigkeit einsetzt und man sich auf die zuvor getroffenen Entscheidungen verlassen muss, bis man gerettet wird, oder im Business-Kontext sich beweist, dass die getroffenen Entscheidungen das neue Marktumfeld widerspiegeln.

 

5. Was sind Ihre 3 persönlichen und auch digitalen Tipps, um in allen Situationen gelassenen zu bleiben, die Zukunft zu verändern und dabei Mitarbeiter und Shareholder mitzunehmen?

1 Ziehen Sie Lehren aus der Geschichte und passen Sie diese der gegenwärtigen Situation und Ihrer Einschätzung an!
2 Haben Sie eine Vision für die Zukunft und Ihre Rolle darin!
3 Kommunizieren Sie – 24/7 – persönlich – immer und immer wieder!

Vielen Dank für das Interview.

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